Das deutsch-tunesische
Forschungsprojekt in Thugga

Thugga (arab. "Dougga") ist eine der prachtvollsten römischen Ruinenstädte in Nordafrika. Die Stadt wurde 1997 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen.

Die Stadt liegt im inner-tunesischen Bergland, etwa 100 km südwestlich von Tunis und 7 km von der Kreishauptstadt Teboursouk entfernt. Die Ruinenstätte ist von der von Tunis nach Le Kef führenden Hauptstraße aus gut zu erreichen.

Die antike Stadt erhob sich landschaftsbeherrschend am Hang eines Steilfelsens oberhalb des Oued Khaled. Durch dieses fruchtbare Tal führte in der Antike eine die wichtige Ost-West-Straße von Karthago nach Theveste (dem heutigen Tebessa in Algerien).

Karte röm. Tunesien
römisches Tunesien

Der heute sichtbare Baubestand Thuggas wurde größtenteils zwischen 1903 und 1938 unter der Leitung des französischen Forschers Louis Poinssot ausgegraben. Das Interesse der Forschung galt in Thugga - wie anderswo im römischen Nordafrika auch - seit jeher vor allem den Inschriften, die denn auch entsprechend gut publiziert sind bzw. werden. Deutlich geringere Aufmerksamkeit wurde den archäologischen Zeugnissen zuteil. Zum einen interessierte man sich fast ausschließlich für die wohlerhaltenen Bauten der mittleren und vor allem späten Kaiserzeit, zum anderen beschränkte man sich dabei zumeist auf deren Freilegung, ohne die Befunde hinreichend zu dokumentieren. Die aktuellste, für die neuere Literatur maßgebliche Zusammenfassung des archäologischen Forschungsstandes bietet immer noch der 1958 von Claude Poinssot verfaßte Thugga-Führer; einen Überblick über die wichtigsten Bauten bietet der Führer von Mustapha Khanoussi.

eine imposante Ansicht von Thugga
Der Stadthügel von SW aus gesehen.

Das in Thugga besonders krasse Mißverhältnis zwischen baulicher Erhaltung und wissenschaftlichem Kenntnisstand war einer der Gründe dafür, daß 1995 in Zusammenarbeit zwischen dem Archäologischen Institut Freiburg und der tunesischen Antikenbehörde, dem Institut National du Patrimoine (Tunis), ein Kooperationsprojekt zur archäologischen Erforschung der Stadt ins Leben gerufen wurde.

Dieses Unternehmen besteht mittlerweile aus zwei, zeitlich aufeinanderfolgenden Projekten mit jeweils anders gelagerter Fragestellung:

  • Das von Prof. Dr. Volker Michael Strocka geleitete Projekt "Archäologische Untersuchungen und Ausgrabungen ausgewählter Monumente in Thugga" wurde im Jahre 2000 abgeschlossen.
    Im Rahmen dieses Unternehmens wurden einige wichtige, bereits ausgegrabene, doch nie publizierte kaiserzeitliche Anlagen und Monumente baugeschichtlich untersucht. Ziel war es, ein über die Epigraphik hinausführendes Verständnis der Stadtentwicklung zu gewinnen. Die betreffenden Bauten wurden nicht nur umfassend dokumentiert, sondern zur Klärung der jeweiligen Baugeschichte wurden vereinzelt auch Sondagen unternommen.
    Der erste Band der Publikationsreihe "Thugga", in welcher diese Untersuchungen veröffentlicht werden sollen, ist 2002 erschienen (s. unten).

  • Im Jahre 2000 wurde das von PD Dr. Stefan Ritter geleitete Projekt "Archäologische Untersuchungen zur frühen Siedlungsgeschichte von Thugga" konzipiert und mit einer Grabungskampagne im Herbst 2001 begonnen.
    Ziel dieses Unternehmens ist es, anhand der Ausgrabung eines größeren Areals im Süden der Stadt die Siedlungsgeschichte Thuggas exemplarisch zu untersuchen. Es geht dabei vornehmlich um die Frühzeit der Stadt: bevor der Bauboom des 2. und 3. nachchristlichen Jahrhunderts das Stadtbild Thuggas grundlegend veränderte und in jenen Zustand versetzte, der sich aus dem heute sichtbaren Ruinenbestand erschließen läßt.