Prähistorische Zeit
Numidische Zeit
Augusteische Zeit
Flavische Zeit
Mittlere Kaiserzeit
Spätantike

erste Ergebnisse

prähistorische Zeit (2. Jtsd. v. Chr.):

Um die früheste Geschichte des Gebietes zu erkunden, stießen wir im Herbst 2002 im Osten des westlichen Grabungsareals in die Tiefe vor. Dabei trafen wir in der untersten, durch menschliche Eingriffe berührten Schicht unerwartet auf ein menschliches Skelett. Der Tote war zwischen vorhandenen Kalksteinen in den anstehenden Lehmboden eingebettet. Es handelt sich um männliches, erwachsenes Individuum, das in kontrahierter Haltung auf der linken Körperseite niedergelegt worden war.

Phasenplan - prähistorische Befunde
Phasenplan - prähistorische Befunde

Nur wenige Tage später kam im Norden des Ost-Areals in derselben, tiefsten Schicht bei einer Sondage ein weiteres Skelett zutage. Der Tote lag ebenfalls in den anstehenden Lehmboden eingebettet, und auch hier war keine Grabgrube erkennbar. Der Bestattete war wieder ein erwachsener Mann, dessen Extremitäten noch stärker kontrahiert waren als im ersten Fall.

Irritierend an diesen beiden Bestattungen war nicht nur das Fehlen jeglicher Beigaben, sondern vor allem die fehlende Sicherung der Grabstätten. Es handelte sich nicht um von Steinen umsetzte und bedeckte Dolmengräber, wie sie ansonsten in den in hellenistische Zeit zurückreichenden Nekropolen Thuggas anzutreffen sind. Damit bekam die Frage nach der genaueren Datierung ein besonderes Gewicht, denn die datierbaren Fund aus den darüberliegenden Schichten zeigten nur, daß diese Gräber vor dem 3./2. Jh. v.Chr. angelegt worden sein mußten.
Um die Datierung zu klären, ließen wir anhand zweier 14C-Analysen von Knochenproben das Alter der beiden Bestattungen bestimmen. Das Ergebnis dieser Analysen war überraschend: Die beiden Gräber wurden in der ersten Hälfte des 2. Jtsds. v. Chr. (zwischen ca. 1880 und 1520) angelegt. Die beiden Bestattungen gehören in die bislang noch kaum erforschte Epoche zwischen dem Capsien-Neolithikum (bis ca. 3000 v.Chr.) und der phönizischen Kolonisation (im frühen 1. Jtsd. v.Chr.) und sind also auch über Thugga hinaus von beträchtlichem Interesse.
Mit dieser frühen Zeitstellung wird die fehlende Grabstättensicherung erklärlich, denn die Megalithgräber, wie sie aus Thugga und zahlreichen anderen Orten Nordafrikas bekannt sind, kamen - so der derzeitige Forschungsstand - frühestens gegen Ende des 2. Jtsds. v.Chr. auf.
In dieser frühen Zeit ist noch nicht mit einer dauerhaften Siedlungstätigkeit zu rechnen. Die Zweizahl der Bestattungen zeigt aber, daß das flache und wettergeschützte Gelände am Fuße des Thuggenser Stadtberges schon in prähistorischer Zeit wenigstens zeitweise aufgesucht und zumindest für Bestattungen genutzt wurde: eineinhalb Jahrtausende vor den frühesten, bislang bekannten Hinweisen auf die Existenz Thuggas.

 

prähistorisches Skelett
prähistorisches Skelett